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Die unmögliche Politisierung des Privaten –
Ist es vorstellbar, daß Collien Fernandes und ihr Ex-Mann Christian Ulmen die Bilder mit ihrem Kopf auf dem Leib eines Pornostars gemeinsam erstellt und ins Netz gestellt haben? – Aber sicher! Dann aber ist auch vorstellbar, daß die Frauen, die jetzt auf die Straße gehen und sich wichtig machen, weil sie angeblich für Frauenrechte gegen Männer eintreten, im Grund dem männlichen Urteil entsprechen, nichts weiter als kleine und verbitterte, quälgeistige und schwatzende Spießer zu sein; die Repräsentanten der häßlichen Zicke. Was ein einziger Blick in die Gesichter einer Frau Esken, Frau Paus oder Frau Göring bestätigt.
Deutlicher gesagt: Die verkniffenen Gesichtsausdrücke zeigen Frauen, die sich an jeder, aber auch wirklich jeder Hexenjagd des Mittelalters beteiligt hätten. Oder noch deutlicher: Diese Frauen hetzen nicht nur gegen Männer; andernfalls würde sie nicht freudig und begeistert den Islam und Afrika nach Deutschland einladen. Nein, gegen Männer haben diese Frauen vermutlich wirklich nichts.
Ihr Haß und ihre Abneigung gilt allein jenen Frauen, die dem Keuschheitsideal des Feminismus nicht entsprechen. Also jenen Frauen, die mit ihrem Angetrauten tatsächlich DeepFakes erstellen, weil sie einander bis ins Perverse hinein begehren und den anderen begehren, weil er pervers ist; gegen diese Frauen wendet sich die Gewalt der Demonstranten. Geschürt vom grünen Neid, jenes Glück nicht mit jemandem teilen zu können.
Denn das Bild dieser Frauen von der Frau gleicht dem, das schon immer als wirkliches, zumindest erstrebenswertes Bild vorgestellt wurde. Die Frau als Wesen, daß ›Ja‹ sagt, wenn es Ja meint und ›Nein‹, wenn es Nein meint. Die brave Frau. Die abgezirkelte Frau. Die über ihre Sinne herrschende Frau. Die Frau, die im Mann ein wildes, gewalttätiges Tier sieht; die Ausgeburt der sinnlichen, unkontrollierbaren Welt. Eine Frau, die sich der Muselmane erträumt und für die er loszieht, die anderen Frauen zu schänden und dann zu töten. So wie am 7. Oktober.
Wenn man so will: Die Umkehrung des Frauenbildes Franz Kafkas. Im Schloß-Roman hat der Prager Jude die vielleicht treffendste Darstellung der sexuellen Lustwelt hinterlassen; Sex als wahre Verführung, als Abbringen vom wahren Weg und in eine tiefere Wahrheit. Zwei Sätze braucht Kafka, um alles zu treffen:
»Dann schrak sie auf, da K. still in Gedanken blieb, und fing an wie ein Kind ihn zu zerren: ›Komm, hier unten erstickt man ja‹, sie umfaßten einander, der kleine Körper brannte in K.s Händen, sie rollten in einer Besinnungslosigkeit, aus der sich K. fortwährend, aber vergeblich zu retten suchte, paar Schritte weit, schlugen dumpf an Klamms Tür und lagen dann in den kleinen Pfützen Biers und dem sonstigen Unrat, von dem der Boden bedeckt war. Dort vergingen Stunden, Stunden gemeinsamen Atems, gemeinsamen Herzschlags, Stunden, in denen K. immerfort das Gefühl hatte, er verirre sich oder er sei so weit in der Fremde, wie vor ihm noch kein Mensch, eine Fremde, in der selbst die Luft keinen Bestandteil der Heimatluft habe, in der man vor Fremdheit ersticken müsse und in deren unsinnigen Verlockungen man doch nichts tun könne als weiter gehen, weiter sich verirren.«
Damit haben die Eskens, Paus und Görings wahrlich nichts am Hut. Und deshalb verstehen sie nichts. Sie sind nur auf ewig verbittert und rächen sich nun, indem sie ihr Frauenbild als das einzig wahre hinstellen und mit dem Mann eigentlich alle sündigen Frauen abservieren; die Heschna, wie ein radikaler Feminismus sie einmal verachtend nannte, die Heteroschnalle. – Und keine merkte, wie tief sich ihnen ein freudloses, aber aggressives Spießertum eingegraben hatte.
Eine Frau, die sich in Pornos vorstellt, findet in ihren Köpfen nicht statt. Die ›Nein‹ sagt, wenn sie Ja meint, nur um ihn zu verwirren; das ewige Machtspiel der doppelten Deutung. Und wirklich: Die Frau mit all ihren Doppeldeutigkeiten kommt in dieser Wirklichkeit wirklich nicht vor. Die kalte Brutalität, mit der sie Epstein die jungen Dinger zuführt, wird verleugnet. Die Juliette des Marquise de Sade kann im Grunde, glaubt man diesen Frauen, keine Frau sein.
Ein Bekannter erklärte mir einmal mit aller Inbrunst, Huren könnten keine Lust mit ihren Freiern empfinden und deshalb wäre Prostitution immer Gewalt; und Frau Schwarzer hätte er sicher auf seine Seite gehabt. Meine Frage, ob er sich vorstellen könne, mit einer Frau zu schlafen und zudem abzukassieren, ließ ihn wütend zurück, weil er ›Ja‹ sagen mußte, wo er nur Nein sagen wollte.
Mozart hat dem ewigen ›Nein-Aber‹ der Frau – das der Mann nur deshalb nicht erlebt, weil sein ›Ja‹ fast immer mit ›Nein‹ beantwortet wird –, Mozart hat dem im Don Giovanni ein ewiges Denkmal gesetzt. »Vorrei e non vorrei« – »Wag ichs, wag ichs nicht«. Ein göttlicher Melodiebogen, der uns vergessen läßt, worum es eigentlich geht. – Unser unverständiger Abstand zu diesen Klängen sagt alles über unsere Zeit.
Wir sind immer Spießer geblieben. Und unter uns lauert die vieldeutige Hölle der Lust. Nicht bei allen. Und ganz sicher nicht bei den verklemmten Lieschen der inszenierten Demo von neulich. Und schon gar nicht bei all den Männern, die sich, um Schuld abzubauen, einreihen wollen in die Frauenfront. Nein, auch bei denen nicht.
Eigentlich gehört hier jetzt eine Distanzierung hin: Von tatsächlichen Gruppenvergewaltigungen, von bösartigen DeepFakes, von den Männern als Tätern. – Eigentlich! – – Doch noch eigentlicher müssen diese trüben, verbiesterten Frauen erklären, warum sie sich Hunderttausende Männer ins Land holen lassen, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Gewalttat ungleich größer ist als bei den hiesigen Männern. Können sie das nicht erklären – und sie können es nicht! –, dann braucht kein Mann sich zu distanzieren. Dann nimmt man diese verkrampften Frauenbilder als Beispiel für das Nein-Aber der Frau.
Oder ich unterstelle ihnen den tiefen Wunsch, die Lustweiber mögen für ihre Lust Höllenstrafen durchleben. Warum seid ihr auch zur Domplatte gegangen? Warum seid ihr zu nah an die beißlustige Bestie gegangen? – Es geschieht euch ganz recht. – Das denken die Eskens und Paus und Görings sicherlich nicht. Aber sie haben es immer gemeint.
Wer jetzt glaubt, ein Frauenbild sei notwendig, das den Realitäten mit all seinen Abschattungen und Doppeldeutigkeiten entspricht, der hat nichts verstanden. Denn natürlich darf niemand das sagen; es ist privat. Und das Private hat im Politischen so wenig etwas verloren, wie die Strapsen der Tunten auf dem Marktplatz. Im Politischen verwandelt es sich am Christophers Street Day in die Umkehrung jener Gesichter. Und es ist widerlich anzusehen.
Der öffentliche Raum gehört auf immer den einfachen Geistern, denen, die zu tieferen Gedanken und Empfindungen unfähig sind; den Ideologen. Doppeldeutigkeiten kennen sie nicht. Frauen sind prinzipiell gut; Männer immer potentiell Täter, besonders wenn sie aus Afghanistan stammen.
Als in einem Interview eine Politikerin aus Florida nach einem Gesetz gefragt wurde, das Analverkehr noch heute unter Strafe stellt und wie rückständig das doch sei, erklärte sie: Das Gesetz wird sei Jahrzehnten nicht mehr angewendet. – Und warum wird es dann nicht ersatzlos gestrichen? – Weil niemand zur Wahl antritt mit der Forderung, Arschficken nicht mehr unter Strafe zu stellen.
Nein, das Private hat im Politischen wirklich nichts verloren.
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